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Die 100 wichtigsten Jazz-Standards


Auswendig lernen    [3/4]

Wie kann man nun einen Jazz-Standard am besten auswendig lernen? Nun, das kommt darauf an: auf das Instrument, das man spielt, auf das eigene harmonische Verständnis, und auf den Standard selbst.

Als erstes würde ich mir die Melodie anschauen. Für Sänger und Bläser mag das selbstverständlich sein, nicht so z.B. für Pianisten oder Gitarristen. Die lernen meist die Akkorde recht schnell, da sie ja Chorus um Chorus damit begleiten. Aber die Melodie haben sie oft nur vage im Ohr. Das merken sie spätestens dann, wenn sie diese auf einmal selbst spielen müssen, weil gerade kein Melodieinstrument auf der Bühne ist.

Für Begleitinstrumente ist es auch deshalb wichtig, die Melodietöne und ihre harmonische Funktion genau zu kennen, damit sie ihre Akkord-Voicings danach ausrichten und Farbtöne richtig einsetzen können. Wenn z.B. der Melodieton auf die 13 eines Dominantakkordes fällt, darf man dazu nicht alteriert spielen, da darin die b13 enthalten ist.

Hilfreich für das auswendig lernen ist auch, den Text zur Melodie zu kennen, sofern es einen gibt. Viele Jazz-Standards sind nämlich ursprünglich Gesangsstücke aus Musicals. Einige bekannte Musiker der Jazzgeschichte haben immer betont, keinen Standard zu spielen, ohne den Text zu kennen. Manche singen ihn sogar in ihren Gedanken mit, während sie die Melodie spielen. (Songtexte für Jazz-Standards findet man am besten in einem Vocal Real Book.)

Was auch gerne vernachlässigt wird, ist, sich bei der Improvisation an der Melodie zu orientieren, zumindest am Anfang des Solos. Oft hat man auf Sessions den Eindruck, dass das Thema nur als "lästiges" Vorspiel für die Soli gesehen wird, in denen dann ohne irgendeinen Bezug zur Melodie nur noch über die Akkorde improvisiert wird. Viel kreativer und auch für den Zuhörer transparenter kann es sein, das Solo am Anfang mehr oder weniger an der Melodie anzulehnen, um sich dann immer mehr davon zu entfernen. Hilfreich ist es auch, im letzten Chorus wieder einen Fetzen der Melodie aufzugreifen, um das Ende des Solos zu verdeutlichen.

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